Kniegelenkarthrose

KniegelenkarthroseAls Kniegelenksarthrose bezeichnet man die Schädigung des Gelenkknorpels in einem der Kniegelenke. Die Gelenkknorpel in Verbindung mit der Gelenkflüssigkeit gewährleisten eine reibungsarme und schmerzfreie Beweglichkeit des Gelenkes.

Ist die Knorpelschicht verletzt, bilden sich im betroffenen Gelenk Entzündungen und Reibungsstellen zwischen den Knochen, die zu zunehmenden Beschwerden und Bewegungsinschränkungen bis hin zur Bewegungsunfähigkeit des Gelenkes führen können.

 

Symptome und Verlauf

Das Knie besteht aus zwei Gelenken: dem vorderen und dem inneren Kniegelenk. Verschiedene Breiche der Gelenke können von den Verschließerscheinungen der Arthrose betroffen sein:

  • mediale Kniegelenksarthrose: das innere Kniegelenk ist geschädigt
  • leterale Knieglenksarthrose: das äußere Kniegelenk ist geschädigt
  • Retropatellararthrose: geschädigt ist hauptsächlich die Kniescheibengelenkfläche
  • Pangonarthrose: alle drei Gelenkteile sind geschädigt
  • Arthrose der Oberschenkelrolle: Schädigung des Schienbeinkopfes und/oder des Schienbeinplateaus

Die Entwicklung einer Arthrose ist langsam und verläuft immer nach dem gleichen Schema.

Erste Schädigungen des Knorpelgewebes verursachen keine Schmerzen, weil die Knorpel keine Blutgefäße enthalten, sondern durch die Gelenkflüssigkeit ernährt wird. Das Vorstadium einer Arthrose verläuft also meistens unbemerkt, im Röntgenbild können jedoch schon erste Veränderungen festgestellt werden.

Stadium 1:

Der erste Schritt ist ein Verlust der Elastizität des Gelenkknorpels. Das Knorpelgewebe wird dünner und reißt ein. Einzelne Knorpelzellen sterben ab.

Die Betroffenen klagen meistens über Schmerzen bei deutlicher Belastung des betroffenen Gelenkes als Gelenk- oder Muskelschmerz. Muskelschmerzen entstehen bei Fehlbelastung durch eine unbewußt eingenommene Schonhaltung für das Gelenk, wodurch es zu Muskelverspannungen kommt.

Im Röntgenbild zeigt sich bereits ein verschmälerter Gelenkspalt.

Stadium 2:

Jetzt schmerzen die Gelenke auch bei normalen und bei passiven Bewegungen (passive Bewegung: das Gelenk wird ohne eigenes Zutun bewegt)

Die Schmerzen bei aktiven Bewegungen sind verursacht durch Muskelhärten oder bereits leichte Verletzungen der Muskeln, die weitere Folge sind Muskelverkürzungen. Die dadurch zusätzliche Belastung des Gelenkes beschleunigt den Krankheitsverlauf. Sie entstehen nach wie vor durch die Fehlbelastung bei Schonhaltung.

Entzündungen der Gelenke führen zu Schwellungen, eventuell kann es zu einem Gelenkerguss kommen

Stadium 3:

Deutliche Bewegungseinschränkungen des Gelenkes durch Deformierung des Gelenkes und verkürzte Muskulatur. Die Gelenke sind oft entzündet und geschwollen, es bildet sich ein Gelenkerguss.

Schmerzen sind jetzt auch bereits in Ruheposition deutlich.

Insbesondere bei Arthrosen in den Beinen kommt es durch die Deformierung des Gelenkes zu einer zunehmenden Verschiebung der Belastungspunkte mit veränderter Körperhaltung (Schonhaltung). Dadurch verkümmert die Muskulatur noch mehr.

Durch den Verlust des Gelenkknorpels kann das Gelenk ausserdem locker und instabil werden. Die Bänder, die normalerweise die Gelenke in Form halten, lockern sich. Ist der Knorpel vollständig abgerieben, kann das Gelenk völlig versteifen.

Ursachen

Die Ursachen einer Arthrose können vielfältig sein. Der Zusammenhang der Arthrose mit der ursprüglichen körperlichen Störung kann oftmals nur durch verschiedene, zuvor geschilderte Diagnoseverfahren hergestellt werden.

Ursachen können sein:

  • Verletzung des Kniegelenkes
  • Fehlstellungen oder Fehlbildungen der Beine oder Gelenkteile
  • Chronische Überlastung des Gelenkes (z.B. durch Muskelschwächen oder einseitige Belastung)
  • Rheumatische Erkrankungen, Arthritis
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Krankhafte Veränderungen des Gelenkknorpels (Chondromatose)
  • Infektionen und deren Folgen
  • Durchblutungsstörungen

Begünstigt wird die Kniegelenksarthrose durch Übergewicht, Fehlstellungen und hormonelle Anomalien.

Diagnose

Klinische Diagnostik (Tasten, Sehen, Fühlen, Bewegen) werden folgende Kriterien geprüft:

  • Beurteilung des Gangbildes, Knieschwellungen und Hautveränderungen
  • Muskelschwächen durch Schonhaltung und Beinlängendifferenz
  • Gelenkerguß und Schwellungen, tanzende Kniescheibe
  • Erhöhte Beweglichkeit der Kniescheibe
  • Erhöhte Temperatur im Kniebereich
  • Spürbare Reibung hinter der Kniescheibe
  • Schmerz bei Verschiebung und bei Druck rechts und links der Patella (Kniescheibe)
  • Druckschmerz am Gelenkspalt
  • Schleimhautfalte zwischen der inneren Oberschenkelrolle und Patella
  • Beurteilung der Festigkeit der Bänder
  • Feststellung des Bewegungsumfanges und des dabei auftretenden Schmerzes

Apparative Diagnostik

  • Röntgen des Kniegelenks in 2 Ebenen

Im Einzelfällen zusätzlich notwendig:

  • Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
  • MRT (Magnetresonanztomographie)
  • CT (Computertomographie)
  • Röntgen Funktionsaufnahmen und Spezialprojektionen
  • Szintigraphie
  • Blutuntersuchung zur Differentialdiagnostik
  • Punktion des Kniegelenks zur Analyse der Gelenkflüssigkeit

Therapie

Ziel der Arthrosebehandlung ist immer die Verbesserung der Lebensqualität. Bereits entstandene Schäden regenerieren sich nicht selbsttätig. Die Behandlung zielt daher auf Schmerzfreiheit und Erhalt der Beweglichkeit des betroffenen Gelenkes. In vielen Fällen wird die Verzögerung des Krankheitsverlufes durch eine konservative Therapie erreicht. In einigen Fällen ist jedoch eine operative Korrektur der Gelenkschädigung angezeigt.

Konservative Therapiemöglichkeiten:

Ziel der Arthrosebehandlung ist immer die Verbesserung der Lebensqualität. Bereits entstandene Schäden regenerieren sich nicht selbsttätig. Die Behandlung zielt daher auf Schmerzfreiheit und Erhalt der Beweglichkeit des betroffenen Gelenkes. In vielen Fällen wird die Verzögerung des Krankheitsverlaufes durch eine konservative Therapie erreicht. In einigen Fällen ist jedoch eine operative Korrektur der Gelenkschädigung angezeigt.

Neben der Information über die Erkrankung sollten die Lebensumstände der erkrankten Person Thema einer Beratung sein. Übergewicht, berufliche Situation, Sport, Ernährung und allgemeine Bewegungsaktivität sollten der Erkrankung wenn möglich angepasst werden. Bewegungsübungen zum Muskelaufbau und Knieschule helfen den Krankheitsverlauf zu verzögern. Der Patient wird über alle Möglichkeiten der Therapie aufgeklärt und beraten.

Die medikamentöse Therapie kann lokal durch Behandlung mit Spritzen oder Salben des betroffenen Gelenkes oder systemisch mit Tabletten, Tropfen oder Spritzen erfolgen. Sie dient der Entzündungshemmung und Schmerztherapie, wobei verschiedene Wirkstoffgruppen eingesetzt werden können:

Physikalische Therapie

  • Krankengymnastik und Physiotherapie zur Erhaltung der Beweglichkeit
  • Knieschule als Anleitung zur die alltägliche Bewegung
  • Muskeldehnung und –kräftigung, Koordinationsschulung und allgemeine Mobilisierung
  • Wäremebehandlung
  • Hydro- und Balneotherapie
  • Elektrotherapie
  • PST (Pulsierende Signaltherapie)

Medikamentöse Therapie

  • Antiphligistica NSAR = entzündungshemmende Medikamente, oftmals bereits mit schmerzstillenden Wirkstoffen kombiniert, lokal und systemisch
  • Chondroprotektiva (z.B. Hyaluronsäure) = Knorpel erhaltende Medikamente, die lokal gespritzt werden
  • Lang wirksame Kortikosteroide / Steroide lokal gespritzt bei akuten Schmerzzuständen, insbesondere wenn sie von einem Gelenkserguss begleitet werden
  • Therapeutische Lokalanästhesie (Betäubung des betroffenen Gelenkes)

Naturheilkundliche Mittel:

  • Teufelskralle
  • Vitamine E + C

Orthopädietechnik:

  • Individuelle Einrichtung des Schuhwerkes z.B. mit Randerhöhungen, Pufferabsätzen, Fersenkissen etc.
  • Bandagen zur Unterstützung und Stabilisation
  • Gehhilfen

Operative Therapien:

Die operative Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Insbesondere der bisherige Verlauf und das Stadium der Arthrose spielen eine Rolle für die Entscheidung. Aber auch die Erscheinungsform der Arthrose Begleiterkrankungen, der Allgemeinzustand und die Arbeitswelt des Patienten und sein Leidensdruck können eine Indikation für oder gegen die operative Behandlung sein. Ist das Knie geschädigt, aber noch nicht vollständig zerstört, wird in den meisten Fällen eine gelenkerhaltende Operationsmethode gewählt.

Es gibt verschiedene Methoden, die zum Einsatz kommen können. Hier einige der Wichtigsten:

  • Spülung des Kniegelenks (Lavage)
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie), zur Ansicht der Schädigung und zur Abtragung und Entfernung störender zerstörter Knorpelpartien
  • Entfernung der erkrankten Gelenkschleimhaut (Synovektomie), dies führt zur besseren Durchblutung der betroffenen Areale und verlangsamt das Fortscheiten der Arthrose
  • Korrektur / Verbesserung der Kniescheibenführung
  • Korrektur von Fehlstellungen
  • Rekonstruktion der Bänder
  • Verschiedene Teilprothesen im Kniegelenk
  • Künstliches Kniegelenk

Welche der Therapiemöglichkeit zum Einsatz kommen, ist jeweils vom Einzelfall abhängig und kann nicht verallgemeinert werden. Gerade bei der Arthrose ist auch ein ganzheitlicher Ansatz der Behandlung wichtig. In den meisten Fällen wird zunächst eine Kombination der konservativen Behandlungsmethoden angewandt, immer in Zusammenarbeit mit dem Patienten, dessen Mitarbeit besonders wichtig ist für den weiteren Verlauf der Erkrankung.